Posts mit dem Label reiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label reiten werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 17. März 2016

Spenden, stiften, Ehrenamt - was soll das?

Für viele stellt sich doch die Frage: warum soll ich das tun? Es gibt schließlich genügend Spenden Aufrufe. Nach unserer Erfahrung hat jeder seine eigene Motivation sich zu engagieren.

  • Man wird dazu aufgefordert (was wir hiermit ausdrücklich tun!)
  • Man ist durch ein Ereignis bewegt
  • Man will aktiv an einer guten Sache beteiligt sein.
  • Ich fühle mich der Sache, oder der Organisation, verbunden.
  • [...]
  • Ich will Steuern sparen (sicherlich ein charmanter Grund)
  • Ich fühle mich gut/ mich privilegiert und möchte anderen etwas zurück geben, oder daran teilhaben lassen.
  • Ich möchte Vorbild sein.
Die Liste ließe sich wahrscheinlich endlos weiterführen. Wir wollen Sie aber motivieren, sich einer guten Sache anzuschließen und andere Menschen aktiv zu unterstützen. Die Unterstützung kann dabei auf verschiedene Weise erfolgen.
  1. Aktiv durch Teilnahme
    an unseren Reitausbildungen und Seminaren/ Workshops, oder übernehmen Sie eine Pflege der gut ausgebildeten Lehrpferde der Stiftung klassische Dressur.

  2. Passiv durch Geld- oder Sachspende(n)
    Nutzen Sie die Möglichkeit ihr finanzielles Engagement zu bestimmen und zielgerichtet einzusetzen. Wir bieten zwei verschiedene Module an, uns finanziell zu unterstützen.
    • Traditionen, alte Werte und fast vergessenes
      mit diesem Fond fördern wir historisches aus der Reiterei
      • Felix Bürkner im Dt.Pferdemuseum Verden
      • Reiten im Damensattel am Landgestüt Celle
      • u.a.

        Sie investieren direkt in den Erhalt klassischer Traditionen und haben Anteil an ihrem Erhalt.
         
    • Talentförderung
      mit diesem Fond wollen wir Reiter/innen in Ihren sportlichen Zielen, materiell und/ oder finanziell fördern. Eine gute Chance für Förderer einen direkten Anteil an einem sportlichen Erfolg zu haben und auch teilen zu können.  
Egal für welches Modul Sie sich entscheiden: Ihre Zuwendung wird genau dort eingesetzt, wofür diese vorgesehen ist- wo diese gebraucht wird. dafür garantieren wir.
  • durch regelmäßige Nachweise
  • durch ein zielorientiertes Projekt- und Förder Controlling
  • mit dem Vertrauen unserer Förderer und nicht zu letzt mit unserem Namen.
Entscheiden Sie sich für eines unserer Projekte und unterstützen Sie uns. Unserer Zuwendungsbescheinigungen sind vom Bundesfinanzminsterium(BMFi) anerkannt.

Praxisbeispiele
  • Wenn Privatpersonen stiften - Die Höchstgrenze für den Spendenabzug liegt bei 20 % des Gesamtbetrages der Einkünfte. Abziehbare Zuwendungen die, die Höchstbeträge überschreiten oder im Veranlagungszeitraum der Zuwendung nicht berücksichtigt werden können, sind unbegrenzt vortragsfähig, d.h. sie können auch in den folgenden Jahren geltend gemacht werden.
  • Wenn ein Unternehmen stiftet - Zuwendungen zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke können insgesamt bis zu einer Höhe von 4% der Summe der gesamten Umsätze und der im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter als Sonderausgaben abgezogen werden. Für Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung gelten die gleichen Sonderabzugsmöglichkeiten wie bei Privatpersonen.
Bitte sprechen Sie dazu mit Ihrem Steuerberater- oder unserem Spendenberater.

Montag, 11. Januar 2016

Sportförderung, Ermittlung des finanziellen u. materiellen Bedarfs


Über den Sinn/ Zweck der Reitsportförderung


Reitsportförderungen gibt es, mittlerweile, viele. Auch Stiftungen im Reitsport haben sich in den vergangenen Jahren gemehrt. Also ein echter Vorteil für den Reitsportler. Es ist also an jedem selbst den richtigen Partner für seine Förderung -wer passt zu mir ?- zu finden. Förderungen sind sehr oft eine individuelle Aufgabe und man ist gut beraten, seinen Förderbedarf, vor dem ersten Kontakt mit dem gewünschten Förderer/ Sponsor, zu definieren.    



Definition des Förderbedarfs


Was und in welcher Form soll den gefördert/ gesponsored werden? Nach meiner Erfahrungen, eine der schwierigsten Fragen. Für einige ist es wichtig, über eine anspruchsvolle Ausrüstung (Sattel, Anhänger, etc.) verfügen zu können- andere benötigen finanzielle Unterstützung um 
  • Lehrgänge, und/oder 
  • dringend notwendige Trainer(einzel-)stunden zu besuchen
  • Ausbildungsgänge zu absolvieren
  • wichtige Turniere besuchen zu können
  • [...]
Die Liste ließe sich beliebig erweitern. Wichtig bei der Definition des Bedarfes ist es, das Ziel der Förderung zu definieren und einen Weg zu beschreiben, wie es erreicht werden könnte.



Berechnung des Förderbedarfs


Sind nun die ersten Hürden genommen und man hat einen Förderer/ Sponsor gefunden, der an dem Vorhaben interessiert ist, hat man einen Vorteil, wenn man den möglichen Bedarf schon einigermaßen beziffern und darstellen kann. Eine einfache Liste mit den Positionen und Preisen wird helfen. 


Beispiel 1: Ich bin gesundheitlich vorgeschädigt, möchte aber gern erfolgreich, auch auf Turnieren, reiten und benötige einen entspr. angepassten (und LPO zugelassenen) Sattel.  


Der Bedarf ließe sich bspw. ermitteln durch:

  • Anpassung des vorhandenen Sattels: Angebot erstellt von Sattlerei ... i.H.v. €600,-
  • Alternativ Angebot, erstellt von Sattlermeister ... i.H.v. €800,-
  • Erwerb eines neuen Sattels der Marke xyz, der den Anforderungen entspricht i.H.v. €3.400,-
  • ...
  • Enstpr. med. Unbedenklichkeitsbescheinigungen des Facharztes liegen vor. 
Beispiel 2: Ich beabsichtige in 2016 an den [dt. Meisterschaft, Europa Meisterschaft, World Dressage Masters, ...]  teilzunehmen. Entsprechende Erfolgsaussichten wurden mir vom Landes-/ Bundestrainer zugestanden. 

Der Bedarf ließe sich bspw. ermitteln durch:
  • zus. Lehrgänge bei ... (Kosten: € XY je Lehrgang). Vorr. werden xy Lehrgänge benötigt.
  • Zwischenziel/e:
    • Platzierungen bei folgenden Sichtungsturnieren: 
    • Mitglied im ... Kader des PSV ... bis zum ... 
    • Teilnahme an weiteren Turnieren ... (finanz. Bedarf € XY )
  • Nennkosten
  • Stallkosten u. Unterkunft
  • ggf. weitere Auflistung möglicher Kosten bis zum Ziel

Das wäre sicherlich ein gutes Rüstzeug für ein erstes Gespräch, auch um das geweckte Interesse zu rechtfertigen und aufrecht zu erhalten. Nicht selten schwindet das Interesse bei dem potentiellem Förderer, weil der Bewerber nicht vorbereitet ist- oder nicht in der Lage ist, das Volumen zu beziffern bzw. zu begründen und ggf. auch glaubhaft zu machen. Bedeutet: Unbedingt am Ball bleiben und den zukünftigen Partner davon überzeugen, dass sein (finanzielles) Engagement, bei Ihnen, gut aufgehoben ist. Eventuelle Nachfragen zügig und im vollen Umfang beantworten oder benötigte Nachweise zügig beibringen. Im sog. Online Zeitalter ist das durchaus leistbar.



zu guter letzt ...

Vergessen Sie nicht- Sponsoren sind auch nur Menschen (oder Unternehmen), die gerne an dem gemeinsamen Erfolg teil haben möchten. Bedeutet für Sie: Habe Erfolg- und rede drüber, denn auch die Sponsoren "tun gutes- und sprechen drüber ...". Kommunikation ist das kleine 1x1 einer guten Partnerschaft. Auch dann wenn es mal nicht so läuft. Mit einer guten Kommunikation kann man mit Misserfolgen -im schlimmsten Fall: nicht erreichten Zielen-, besser umgehen, als wenn man allem und jedem hinterherlaufen muss. Ich bin sehr zuversichtlich, das viele Siegerfotos, ihren Platz bei Ihrem Sponsor finden werden. Denn ich kenne keinen der sich nicht über Erfolge/ Fotos/ ... freut.

Viel Erfolg!
(c) 2015 Clemens Heise, Stiftung klassische Dressur. Vervielfältigung auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors 


Die Reiterhand

Anlehnung ist die stetige, weiche und federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, wobei das Pferd diese Verbindung sucht, und der Reiter diese gestattet. So liest man es in der Reitlehre und damit beginnen bereits die ersten Missverständnisse. 

Die Hand des Menschen ist von Natur aus sehr feinfühlig und empfindlich gegen jede Art von Reizungen oder Belastungen. Jährlich investieren viele Menschen Summen in die Kosmetikindustrie um die Hände weich, schön und geschmeidig zu halten. Das ist sicherlich für viele auch sehr reizvoll- doch entsteht derEindruck, dass die feinfühlige, geschmeidige Hand nicht immer das hält, was der Reitergedanke verspricht. In einigen Fällen fühle ich mich an Kevin Costner's Kinfofilm "der mit dem Wolf tanzt" erinnert. Die weibliche Hauptrolle wird von einem Indianermädchen gespielt, die den stolzen Namen "steht wie eine Faust" trägt. 
So sieht auch gerne mal die Eine oder Andere Reiterhand aus. Allerdings, und das muss man sich auch eingestehen wurde ähnliches in den Reitschulen der 70iger Jahre auch fleißig gelehrt. Das dies gar nicht notwendig und auch nicht gewollt ist, hat sich noch nicht bis in den letzten Reitstall durchgesetzt. Auch heute hallt es noch durch die Reithallen: "…die Hand ist zu einer Faust geschlossen…".Nun, man muss ja nicht an jedem alten Zopf festhalten. 

Haben Sie mal ihr Pferd beim grasen beobachtet? Wie geschickt kann ein Pferdemaul, die leckeren Grashalme aus einem Busch von Dornen und Diesteln herauszupfen ohne eine einzige Schramme zu bekommen? Mit welchem Feinsinn kann ein Pferd unterscheiden, ob das eines der prima Leckerlies ist, oder doch nur die fiese Wurmpaste? Und genau  in diesem Pferdemaul beginnen wir mit zuppeln, rupfen, gegen halten, oder anderem?

Wir Reiter denken um. Mehr Leichtigkeit, weniger Aufwand und mehr Freude sind die Kernfaktoren für den Spaß und den Erfolg im Reiten. Dieses Umdenken ist so wichtig geworden, das dafür bereits eigene Worte eingedeutscht wurden. Die Reiterhand steht nicht mehr wie eine Faust, sondern sie wird weich, nachgiebig und geschmeidig. Und das wird viele Pferdemäuler freuen. Beginnen wir mit einer, zunächst trivialen, Betrachtung - der Zügelführung: Es ist unergonomisch die,  1,5cm breiten, Zügel mit der ganzen Hand festhalten zu wollen. Verspannungen in der Hand und im Unterarmmuskel sind die Folge. Diese Verspannung kann sich bis in die Schultern/ den Nacken fortsetzen. Dabei genügt es völlig die Zügel zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten und die Intensität der Haltung des Pferdes anzupassen. Das sollte in vielen Fällen an Aufwand genügen und wenn nicht-  genug Anlass geben einmal ein intensives Gespräch mit dem Ausbilder zu führen und/ oder seine Technik zu überprüfen. Alle weiteren Zügelhilfen kann man, in vielen Fällen, nun getrost den Ringfingern überlassen. Der Zügel wird auf Höhe des zweiten Fingergliedes geführt und damit hat man bis zu 4-6 cm Spielraum für notwendige Zügelhilfen.  "Und wie gebe ich denn jetzt die Parade…"? ist in vielen Fällen die Frage die auf den Fuß folgt. Und hier lauert das zweite Missverständnis mit der Reiterhand. Paraden sind immer das Zusammenwirken aller Hilfen und werden nicht durch die Hand eingeleitet. Interessanterweise ist das aufrecht Stellen der Hände angenehmer wenn man zu Beginn die Hände etwas mehr nach außen kippt. Der angenehme Seiteneffekt ist: die Ellenbogen liegen besser am Körper an Unterarm und Hände werden bewusst(er) entspannt- die Hand wird weniger eingedreht. Keine Sorge, ich habe es noch nicht erlebt, das die Hände so sehr nach außen Kippen, das die Zügelhilfen in Mitleidenschaft geraten. In der Summe ist der Sitz des Reiters entspannter.

Eine Bitte zum Schluß: Versuchen Sie beim Reiten vermehrt an die nachgebende Reiterhand zu denken - das Annehmen hat noch keiner vergessen…

Sporen muss man sich verdienen?!

Der Leser mag sich fragen, ob die Interpunktion absichtlich gewählt wurde, oder nur ein orthografischer Lapsus des Autors? Die Antwort ist verblüffend einfach: es ist Absicht! Muss man sich, im Zeitalter von 24 Std. Online- Shops, Supermärkten für Reiter und €450,- Aushilfsfachkräften eines Reitsportfachgeschäftes, die Sporen wirklich noch verdienen? Kaufen, anlegen und losreiten ist viel bequemer und man erspart sich die Investitionen in Reitausbildung und Leistungsprüfungen.

Vielmehr beschäftigt doch die Frage kann man ohne Sporen überhaupt reiten? Kaum eine Dressurprüfung vergeht, in der nicht straßverzierte Sporen jeglicher Art und Form an den blank gewienerten Stiefeln blinken und funkeln und rhytmisch im Takt der Gangart den Pferdebauch piesacken. Die "alten Hasen" und Routiniers der kleinen Prüfungen sind - auch für die wenigen Laien an der Bande - an den abgescheuerten, ovalförmigen Bereichen der Pferdeflanke gut zu erkennen. Sicherlich wird dies auch weiterhin motiviert durch den heimischen Trainer der sich nicht selten zu einer klaren Unterweisung, wie beispielsweise: "nun hau' dem Bock doch mal die Zinken in die Flanke, wozu hast Du diese denn- sind doch bezahlt..." hinreißen lässt.

Aber nun wieder ernsthaft und ehrlich: braucht' man Sporen überhaupt und wenn ja - wozu und welche und wie verdient man sich diese? Sporen gibt es schon eine ganze Weile, was viele Kupferstiche der, gebetsmühlenartig zitierten "alten Meister" belegen. Wir können also zunächst davon ausgehen, dass Sporen eine sinnbringende Erfindung sind. 

Wo helfen mir Sporen nicht? Bei bspw.
  • demotivierten oder triebigen Pferden
  • bei verrittenen oder unwilligen Pferden
  • als vorwärtsreibende Hilfe


Geht Pferd nicht vorwärts, bringen Sporen nur eine mittelfristige Besserung deren Wirkung bei Gewöhnung nachlässt.

Und wie werden Sporen sinnvoll eingesetzt?

Diese Frage beantwortet sich, wenn man sich die Wirkung des Sporen betrachtet. Sporen sind Präzisionsgeräte zur gezielten punktuellen Hilfengebung. Dies setzt einen ruhigen und am Pferdekörper anliegenden Unterschenkrel voraus. Statt "flächig" mit dem Schenkel einzuwirken, kann der erfahrene Reiter auf den Punkt eine Schenkelhilfe einsetzen. Das bewirkt eine Kontraktion der Bauchmuskelatur was zum aufwölben der Rückenmuskelatur führt. Das wiederum ist, neben vielen anderen Grundbedngungen, vorteilhaft für die dressurmässige Grundausbildung des Pferdes. Aber eben auch nur dann, wenn alle anderen Rahmenparameter der Reitpferdeausbildung erfüllt sind (vergl. a. Skala der Ausbildung). Sporen werden in der Bewegung eingesetzt - nicht im Halten - und bewirken beim gleichseitigen Hinterbein (= re. Sporen - re. Hinterbein, li. Sporen ...) die Fähigkeit das jeweilige Hinterbein (ver)mehr(t) untertreten zu lassen. 
In der Summe: alle notwendigen Ausbildungsziele erreicht- die Hilfengebung richtig eingesetzt, bewirkt es eine aktive(re) Hinterhand und damit genau das, was wir uns von unserem und anderen  Pferden wünschen. Oder etwas einfacher: wir machen uns einen Reflex des Pferdes zu nutzen. Der Nachteil, wenn man allzu sorglos damit umgeht ist - sie ermüden wenn sie ständig gereizt werden.

Daraus erklärt sich dann auch, dass ein Sporen ein Pferd nicht "schneller" macht. Im Idealfall entfaltet sich mehr "Schwung" (i.S.v. Punkt vier Skala der Ausbildung) was das Pferd fleißiger macht und damit optisch schneller wirken lässt. Der fortwährende,im Takt des Pferde, pisackende Sporen bewirkt nur eines: ein Abstumpfen gegen die reiterlichen Hilfen.

Rädchensporen sind etwas für Tierquäler?!

Große zackige, bei jedem Schritt klirrende Rädchensporen, gehören zu jedem Cowboy wie der Hut, ein Halstuch und der Geschmack von Freiheit& Abenteuer. Aber herumlaufen oder herumstehen mit Sporen ist genauso verpönt die das Handygequassel auf dem Pferd. Mehr noch, wer mit "Sporen am Hacken" zur Longierprüfung erscheint, kann gleich wieder gehen. Zu gefährlich ist das herumlaufen in Kreisbahnen mit den "Piekern am Schuh". Also wirklich "cool" sind nur die, die ihr Pferd unter dem Sattel "glänzen" lassen [Anmerk.: wir sind ja auch in der Reitbahn - und nicht im Saloon am Klondyke.]. Dennoch haben Rädchensporen ein schlechtes Image. Etwas differenzierter betrachtet können Rädchensporen durchaus die bessere Wahl sein, als Dornsporen, denn sie werden nicht in den Pferdebauch  „gespiekt“, sondern mit einem minimalen Hochziehen des Beines darübergerollt. Zu beachten wäre: die Rädchen soll groß und leichtgängig sein, die Zacken stumpf. Je größer und stumpfer die Zacken, desto wüster sehen sie aus und desto harmloser sind sie. Schweiß, Talg und Haare verkleben das Spiel der Rädchen und verhindern somit das Rollen, damit könnten sie dann tatsächlich zu Marterwerkzeugen werden. Dornporen können bei  entsprechend unsensiblem Einsatz zu Blutergüssen und Prellungen unter der Pferdehaut führen. Fazit: Sporen an sich sind weder gut noch schlecht – gut oder schlecht ist immer nur ihr Einsatz und derjenige, der sie am Bein trägt.

In diesem Sinne, etwas nachdenklich und wie so oft immer etwas überspitzt und karikatiert!

Montag, 2. November 2015

Reiten in Anlehnung


Den einen „richtigen Weg“ wird es nicht geben. Dazu sind Reitstile und Pferdetypen zu unterschiedlich. Wenn aber Harmonie und Leichtigkeit das Ziel sind und der Weg zum Ziel führen soll kann man Meilensteine auf dem Weg dorthin setzen. 

Clemens Heise und Andrassy
In der Reitlehre wird Anlehnung als stetige, weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul definiert. 


Clemens Heise und Andrassy
Aber was bedeutet das jetzt für den Reiter? 


Zunächst sollte man sich gedanklich davon trennen, die reiterlichen Ziele „schnell“ erreichen zu wollen. Sicherlich gibt es Maßnahmen und Methoden die einen schnellen Weg oder eine Abkürzung versprechen, aber mittelfristig zu viel größeren und schlimmeren Problemen führen. Es bedarf einer soliden und reellen Ausbildung des Pferdes, um es problemlos, nicht nur heute oder morgen, sondern sein Leben lang in Anlehnung und Leichtigkeit reiten zu können. Diese dressurmäßige Gymnastizierung und Ausbildung erfolgt in jeder Trainingseinheit aufs Neue. 

Und genau an diesem Punkt trifft der Pfeil ins Schwarze. Im Idealfall erfolgt die Anlehnung an die Reiterhand als stetige und leichte Verbindung. Um diese zu erreichen und zu bewahren kann man an dem Zusammenspiel von Schub- und Tragkraftt weiter arbeiten. Für die Entwicklung der Schubkraft reiten wir gerne Tempowechsel im Trab (zulegen- abfangen) oder auch Übergänge von Schritt- Trab- Schritt oder Trab- Galopp- Trab, immer abwechslungsreich und auf beiden Händen. Für die Tempowechsel ist es nicht wichtig, 40m schneller zu traben, sondern achten Sie darauf, dass Ihr Pferd sensibel auf die Schenkelhilfe reagiert und anzieht. Schon wenige Tritte genügen zunächst um es dann wieder in den Arbeitstrab zurückzuführen und für die prompte Ausführung zu loben. Ein weiteres wichtiges Thema für ein gefühlvolles Reiten ist die Abwechslung im Training. Statt langwierig Lektionen zu pauken, entwickeln wir interessante Übungsabläufe die dem Pferd die gewünschte Übung oder Lektion schmackhaft machen, bspw: 

  • lange Seite zulegen- Mitte der langen Seite abfangen- 
  • in leichter Versammlung aus der Ecke kehrt- 
  • am Hufschlag wieder zulegen- erneut abfangen- 
  • in leichter Versammlung eine Volte reiten- 
  • danach erneut kurz zulegen um das Pferd danach in den Arbeitstrab zurückzuführen.
Dieser Ablauf fordert viele Elemente auf dem Weg zur Leichtigkeit ab und gibt mir gute Informationen an welchen Elementen noch gearbeitet werden muss. Wir achten stets darauf, dass es bei einer leichten und steten Zügelverbindung bleibt. Sollte das einmal nicht (mehr) der Fall sein und das Pferd liegt auf der Hand, kehren wir zu dem vorangegangen Ausbildungsabschnitt zurück und beginnen neu. Lassen Sie sich nicht auf ein ziehen am Zügel oder ein ausruhen auf der Hand ein. Kehren Sie zum vorangegangenen zurück, setzen erneut an- oder gönnen Sie sich und dem Pferd eine kleine Pause zur Erholung. Um gefühlvoll in leichter Anlehnung zu reiten, muss man nicht zwangsläufig auf eine andere Reitweise umsatteln. Sehr oft genügt ein Umdenken des Reiters und Umstellen des Reittrainings. Seien Sie selbst innovativer beim Reiten. Entwickeln Sie Übungsabläufe in denen die Elemente der Schub- und Tragkraft gefordert werden, mixen Sie die bekannten Bahnfiguren oder entwickeln daraus eigene. Leichtes Reiten erfordert auch Konzentration, vorausschauendes Denken und ein abwechslungsreiches Reitprogramm. 

Der Begriff Leichtigkeit ist nicht definiert und wird in der Literatur gerne mit Weglassen von Zwangsmitteln, Respekt gegenüber dem Pferd oder nichts in der Hand, frei übersetzt. Eigenschaften die uns aus der klassischen Reiterei wohl bekannt sind. Objektiv betrachtet gibt es verschiedene Formen der Anlehnung. In den lösenden Phasen der Entspannung reitet man üblicherweise am verlängerten Zügel mit leichter Genickkontrolle und vorwärts abwärts. In den Dressurarbeitsphasen oder beim Anreiten von Hindernissen im Parcours oder Gelände reitet man mit freierer Anlehnung in (relativer) Aufrichtung. Die Art und Form der Anlehnung entwickelt sich also aus dem was man reiten möchte. 
Jedoch soll Leichtigkeit in allen drei Disziplinen gewahrt werden. Der Weg dahin führt über sinnvolle Gymnastizierung des Pferdes. Die Entwicklung der Schubkraft und Entwicklung der Tragkraft spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Schubkraft befähigt das Pferd zu einer aktiven Hinterhand und einem energischem Schwingen der Hinterbeine unter den Schwerpunkt des Pferdes. Die Elemente der Schubkraft entwickeln sich aus Losgelassenheit,  Anlehnung, Schwung und Geraderichtung.  Die Tragkraft befähigt das Pferd, den Rücken vermehrt aufzuwölben und sich selbst zu tragen und wird durch die Elemente Schwung, Geraderichtung und Versammlung gefördert. Bei dem optimalen Zusammenspiel zwischen Schub- und Tragkraft wird unser Ziel „Leichtigkeit“ quasi Fundstück am Rande des Weges. Leichtigkeit ist keine Frage der Ausbildung von Pferd und Reiter oder nur etwas für fortgeschrittene Dressurcracks. Die leichte, nahezu unsichtbare Kommunikation (Hilfengebung) zwischen Reiter und Pferd kann in jedem Stadium der Ausbildung erreicht werden. 

Das ist die zentrale Frage um die sich alles dreht, die dennoch kaum allgemein gültig beantwortet werden kann. Denn wie eingangs bereits erwähnt, sind die Anforderungen zu unterschiedlich. Gefühl Gefühlvolles, leichtes Reiten ist keine Sache die, über Nacht oder etwa durch Wechseln der Reitweise geschieht, sondern ein intensiver Ausbildungsprozess von Pferd und Reiter, der vielmehr einen einfühlsamen Reiter und denkenden Ausbilder benötigt, als ein ausgeklügeltes Marketingkonzept. Auch die oft gestellte Anforderung ich will nicht immer 5Kg in der Hand haben trügt, denn sie erweckt den Anschein, das die der Weg zur Leichtigkeit über die Hand des Reiters führt. Diese ist aber im Zusammenspiel der Hilfen die passivste da sie vermehrt verhaltend wirkt im Gegensatz zu den vortreibenden Gewichts- oder Schenkelhilfen. 

Wichtige Meilensteine sind, zum einen 


  • das theoretische Verständnis des Zusammenspiels von Sitz und Einwirkung
  • und zum anderen auch die praktische Fertigkeit, ein Pferd mit aktiver Hinterhand an die Hand des Reiters heran zutreiben. 
  • Der Kopf des Pferdes befindet sich an oder kurz vor einer gedachten senkrechten Linie, verkriecht sich nicht hinter dem Zügel oder geht gegen die Reiterhand – 
  • das Pferd ist leicht im Maul, 
  • locker im Genick und folgt willig der gewünschten Stellung - 
  • das Pferd geht in Anlehnung. 
Probleme hier resultieren oftmals aus einem, nicht ausreichend mitschwingendem, Rücken. Denn wenn sich das Pferd im Rücken festhält, kann es sich eben nicht vertrauensvoll an die Reiterhand heran dehnen und versucht sich zu entziehen. Für den Reiter bedeutet es, das diese(r)zunächst an der Losgelassenheit arbeiten sollte, um im zweiten Schritt eine Verbesserung der Anlehnung zu erzielen. Devise: Fordern- ohne zu überfordern. 



Ich hoffe wir konnten Ihnen einige Hinweise und Anregungen für Ihre Trainingseinheiten geben und freuen uns auf Ihr Feedback.

(c)Verfielfältigung auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors