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Montag, 11. Januar 2016

Die Reiterhand

Anlehnung ist die stetige, weiche und federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, wobei das Pferd diese Verbindung sucht, und der Reiter diese gestattet. So liest man es in der Reitlehre und damit beginnen bereits die ersten Missverständnisse. 

Die Hand des Menschen ist von Natur aus sehr feinfühlig und empfindlich gegen jede Art von Reizungen oder Belastungen. Jährlich investieren viele Menschen Summen in die Kosmetikindustrie um die Hände weich, schön und geschmeidig zu halten. Das ist sicherlich für viele auch sehr reizvoll- doch entsteht derEindruck, dass die feinfühlige, geschmeidige Hand nicht immer das hält, was der Reitergedanke verspricht. In einigen Fällen fühle ich mich an Kevin Costner's Kinfofilm "der mit dem Wolf tanzt" erinnert. Die weibliche Hauptrolle wird von einem Indianermädchen gespielt, die den stolzen Namen "steht wie eine Faust" trägt. 
So sieht auch gerne mal die Eine oder Andere Reiterhand aus. Allerdings, und das muss man sich auch eingestehen wurde ähnliches in den Reitschulen der 70iger Jahre auch fleißig gelehrt. Das dies gar nicht notwendig und auch nicht gewollt ist, hat sich noch nicht bis in den letzten Reitstall durchgesetzt. Auch heute hallt es noch durch die Reithallen: "…die Hand ist zu einer Faust geschlossen…".Nun, man muss ja nicht an jedem alten Zopf festhalten. 

Haben Sie mal ihr Pferd beim grasen beobachtet? Wie geschickt kann ein Pferdemaul, die leckeren Grashalme aus einem Busch von Dornen und Diesteln herauszupfen ohne eine einzige Schramme zu bekommen? Mit welchem Feinsinn kann ein Pferd unterscheiden, ob das eines der prima Leckerlies ist, oder doch nur die fiese Wurmpaste? Und genau  in diesem Pferdemaul beginnen wir mit zuppeln, rupfen, gegen halten, oder anderem?

Wir Reiter denken um. Mehr Leichtigkeit, weniger Aufwand und mehr Freude sind die Kernfaktoren für den Spaß und den Erfolg im Reiten. Dieses Umdenken ist so wichtig geworden, das dafür bereits eigene Worte eingedeutscht wurden. Die Reiterhand steht nicht mehr wie eine Faust, sondern sie wird weich, nachgiebig und geschmeidig. Und das wird viele Pferdemäuler freuen. Beginnen wir mit einer, zunächst trivialen, Betrachtung - der Zügelführung: Es ist unergonomisch die,  1,5cm breiten, Zügel mit der ganzen Hand festhalten zu wollen. Verspannungen in der Hand und im Unterarmmuskel sind die Folge. Diese Verspannung kann sich bis in die Schultern/ den Nacken fortsetzen. Dabei genügt es völlig die Zügel zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten und die Intensität der Haltung des Pferdes anzupassen. Das sollte in vielen Fällen an Aufwand genügen und wenn nicht-  genug Anlass geben einmal ein intensives Gespräch mit dem Ausbilder zu führen und/ oder seine Technik zu überprüfen. Alle weiteren Zügelhilfen kann man, in vielen Fällen, nun getrost den Ringfingern überlassen. Der Zügel wird auf Höhe des zweiten Fingergliedes geführt und damit hat man bis zu 4-6 cm Spielraum für notwendige Zügelhilfen.  "Und wie gebe ich denn jetzt die Parade…"? ist in vielen Fällen die Frage die auf den Fuß folgt. Und hier lauert das zweite Missverständnis mit der Reiterhand. Paraden sind immer das Zusammenwirken aller Hilfen und werden nicht durch die Hand eingeleitet. Interessanterweise ist das aufrecht Stellen der Hände angenehmer wenn man zu Beginn die Hände etwas mehr nach außen kippt. Der angenehme Seiteneffekt ist: die Ellenbogen liegen besser am Körper an Unterarm und Hände werden bewusst(er) entspannt- die Hand wird weniger eingedreht. Keine Sorge, ich habe es noch nicht erlebt, das die Hände so sehr nach außen Kippen, das die Zügelhilfen in Mitleidenschaft geraten. In der Summe ist der Sitz des Reiters entspannter.

Eine Bitte zum Schluß: Versuchen Sie beim Reiten vermehrt an die nachgebende Reiterhand zu denken - das Annehmen hat noch keiner vergessen…

Sporen muss man sich verdienen?!

Der Leser mag sich fragen, ob die Interpunktion absichtlich gewählt wurde, oder nur ein orthografischer Lapsus des Autors? Die Antwort ist verblüffend einfach: es ist Absicht! Muss man sich, im Zeitalter von 24 Std. Online- Shops, Supermärkten für Reiter und €450,- Aushilfsfachkräften eines Reitsportfachgeschäftes, die Sporen wirklich noch verdienen? Kaufen, anlegen und losreiten ist viel bequemer und man erspart sich die Investitionen in Reitausbildung und Leistungsprüfungen.

Vielmehr beschäftigt doch die Frage kann man ohne Sporen überhaupt reiten? Kaum eine Dressurprüfung vergeht, in der nicht straßverzierte Sporen jeglicher Art und Form an den blank gewienerten Stiefeln blinken und funkeln und rhytmisch im Takt der Gangart den Pferdebauch piesacken. Die "alten Hasen" und Routiniers der kleinen Prüfungen sind - auch für die wenigen Laien an der Bande - an den abgescheuerten, ovalförmigen Bereichen der Pferdeflanke gut zu erkennen. Sicherlich wird dies auch weiterhin motiviert durch den heimischen Trainer der sich nicht selten zu einer klaren Unterweisung, wie beispielsweise: "nun hau' dem Bock doch mal die Zinken in die Flanke, wozu hast Du diese denn- sind doch bezahlt..." hinreißen lässt.

Aber nun wieder ernsthaft und ehrlich: braucht' man Sporen überhaupt und wenn ja - wozu und welche und wie verdient man sich diese? Sporen gibt es schon eine ganze Weile, was viele Kupferstiche der, gebetsmühlenartig zitierten "alten Meister" belegen. Wir können also zunächst davon ausgehen, dass Sporen eine sinnbringende Erfindung sind. 

Wo helfen mir Sporen nicht? Bei bspw.
  • demotivierten oder triebigen Pferden
  • bei verrittenen oder unwilligen Pferden
  • als vorwärtsreibende Hilfe


Geht Pferd nicht vorwärts, bringen Sporen nur eine mittelfristige Besserung deren Wirkung bei Gewöhnung nachlässt.

Und wie werden Sporen sinnvoll eingesetzt?

Diese Frage beantwortet sich, wenn man sich die Wirkung des Sporen betrachtet. Sporen sind Präzisionsgeräte zur gezielten punktuellen Hilfengebung. Dies setzt einen ruhigen und am Pferdekörper anliegenden Unterschenkrel voraus. Statt "flächig" mit dem Schenkel einzuwirken, kann der erfahrene Reiter auf den Punkt eine Schenkelhilfe einsetzen. Das bewirkt eine Kontraktion der Bauchmuskelatur was zum aufwölben der Rückenmuskelatur führt. Das wiederum ist, neben vielen anderen Grundbedngungen, vorteilhaft für die dressurmässige Grundausbildung des Pferdes. Aber eben auch nur dann, wenn alle anderen Rahmenparameter der Reitpferdeausbildung erfüllt sind (vergl. a. Skala der Ausbildung). Sporen werden in der Bewegung eingesetzt - nicht im Halten - und bewirken beim gleichseitigen Hinterbein (= re. Sporen - re. Hinterbein, li. Sporen ...) die Fähigkeit das jeweilige Hinterbein (ver)mehr(t) untertreten zu lassen. 
In der Summe: alle notwendigen Ausbildungsziele erreicht- die Hilfengebung richtig eingesetzt, bewirkt es eine aktive(re) Hinterhand und damit genau das, was wir uns von unserem und anderen  Pferden wünschen. Oder etwas einfacher: wir machen uns einen Reflex des Pferdes zu nutzen. Der Nachteil, wenn man allzu sorglos damit umgeht ist - sie ermüden wenn sie ständig gereizt werden.

Daraus erklärt sich dann auch, dass ein Sporen ein Pferd nicht "schneller" macht. Im Idealfall entfaltet sich mehr "Schwung" (i.S.v. Punkt vier Skala der Ausbildung) was das Pferd fleißiger macht und damit optisch schneller wirken lässt. Der fortwährende,im Takt des Pferde, pisackende Sporen bewirkt nur eines: ein Abstumpfen gegen die reiterlichen Hilfen.

Rädchensporen sind etwas für Tierquäler?!

Große zackige, bei jedem Schritt klirrende Rädchensporen, gehören zu jedem Cowboy wie der Hut, ein Halstuch und der Geschmack von Freiheit& Abenteuer. Aber herumlaufen oder herumstehen mit Sporen ist genauso verpönt die das Handygequassel auf dem Pferd. Mehr noch, wer mit "Sporen am Hacken" zur Longierprüfung erscheint, kann gleich wieder gehen. Zu gefährlich ist das herumlaufen in Kreisbahnen mit den "Piekern am Schuh". Also wirklich "cool" sind nur die, die ihr Pferd unter dem Sattel "glänzen" lassen [Anmerk.: wir sind ja auch in der Reitbahn - und nicht im Saloon am Klondyke.]. Dennoch haben Rädchensporen ein schlechtes Image. Etwas differenzierter betrachtet können Rädchensporen durchaus die bessere Wahl sein, als Dornsporen, denn sie werden nicht in den Pferdebauch  „gespiekt“, sondern mit einem minimalen Hochziehen des Beines darübergerollt. Zu beachten wäre: die Rädchen soll groß und leichtgängig sein, die Zacken stumpf. Je größer und stumpfer die Zacken, desto wüster sehen sie aus und desto harmloser sind sie. Schweiß, Talg und Haare verkleben das Spiel der Rädchen und verhindern somit das Rollen, damit könnten sie dann tatsächlich zu Marterwerkzeugen werden. Dornporen können bei  entsprechend unsensiblem Einsatz zu Blutergüssen und Prellungen unter der Pferdehaut führen. Fazit: Sporen an sich sind weder gut noch schlecht – gut oder schlecht ist immer nur ihr Einsatz und derjenige, der sie am Bein trägt.

In diesem Sinne, etwas nachdenklich und wie so oft immer etwas überspitzt und karikatiert!

Sonntag, 10. Januar 2016

Reiten im Damensattel, ein Kulturgut

Aus der Gegenwart nahezu völlig verdrängt, haben sich die Stiftung klassische Dressur und die  Reitgemeinschaft Felix Bürkner e.V. den Erhalt dieses Reitstiles zum Ziel gemacht.  Interessierten Reiterinnen bieten wir Ausbildungen an. 

Anne Heise, Feine Deern (Han.)


Es beginnt im Mittelalter (ca. 500-1500)

Zum Transport, auch heute noch in den südlichen Ländern auf Eseln, läßt sich die Landbevölkerung seitwärts tragen. Es werden nur Tätigkeiten für den Richtungswechsel bzw. für das Antreiben vorgenommen. Wenn auch nicht in der heutigen Form, so gibt es die Damensättel doch schon lange. Im 12. Jahrhundert kann man praktisch nur vom Sattelkissen sprechen. Während der Kavalier die Zügel führte, saß die Dame seitlich auf dem Pferd und hatte die Füße auf einer kleinen Plattform abgestützt. Die Ritterschaft schuf sich ein Ideal - die Frau in der Rolle als passives, hilfloses Wesen, das man beschützen und erobern muss. Dieser Trend verstärkte sich, als der Ritter auf dem Schlachtfeld seine Bedeutung verlor. So wurden Turniere veranstaltet. Der Mann konnte seine Ritterlichkeit bei Hofe beweisen. Aber was machte man bei Jagden, die Zuschauerinnen mussten hin transportiert werden. Die Damen entwickelten auch einen Jagdeifer. So waren es die Jagdreiterinnen, die über die Jahrhunderte zur Weiterentwicklung beitrugen. Durch die Drehung des Oberkörpers nach vorne, wurde es den Damen möglich, das Pferd neben dem Manne ebenbürtig zu führen. Anna von Böhmen soll um 1382 die erste gewesen sein, nur den linken Fuß auf die Planchette zu setzen um den Oberkörper zu drehen. Aber dieser Sitz war weit davon entfernt, sicher zu sein. Daher wurde am Sattel vorne ein Sattelhorn angebracht. 

Anne Heise, Feine Deern (Han.)

Renaissance (1490-1590) 

In Frankreich wurde um 1580 zur Zeit - eine enthusiastische Reiterin, das zweite Horn eingeführt. Es befand sich wie das erste Horn oben auf dem Sattel. Katharina von Medici legte ihr rechtes Bein über den Knauf an der Seitenlehne, der zum Anhalten diente und hatte einen sichereren Sitz als bisher üblich. Sie revolutionierte den Damensattel. Das Reiten im Damensattel wurde zum Freizeitvergnügen der Damen der Oberschicht. Francois de Garsault (1770) und Federigo Mazzuchelli (1803) schrieben die ersten Bücher über das Reiten im Seitsitz. Über zwei Jahrhunderte blieb der Damensattel unverändert. Rittmeister Charles Pellier wird als Erfinder des schraubbaren Horns (1830) geführt. Das untere Horn legt sich über den linken Oberschenkel und sorgt für einen festen Sitz in allen Situationen. Ab diesem Zeitpunkt ritten die Damen der Oberklasse ausschließlich im Damensattel. Theoretisch konnten die Frauen auf diesen neuen Sätteln mit den drei Hörnern auch galoppieren und springen, allerdings geziemte es sich wohl kaum für eine adlige Dame, wie eine Furie im Gelände herumzuspringen.

Die Gründerzeit (1850-1920)


Erst die als begeisterte Amazone bekannte Kaiserin Elisabeth v. Österreich-Ungarn (1837-1898) machte das Jagdreiten auch für Frauen populär. Elisabeth war von Jugend an eine ausgezeichnete und waghalsige Reiterin, die sämtliche Disziplinen vorbildlich im Damensattel beherrschte. In Wien unternahm sie regelmäßig Dressurübungen in der Hofreitschule, in Ungarn folgten ausgedehnte schnelle Geländeritte und seit 1876 bereiste sie mehrmals England mit umfangreichem Gefolge und einer Auswahl ihrer besten Jagdpferde, um in Gesellschaft des damals berühmten Parforcereiters Bay Middleton an den englischen Fuchsjagden teilzunehmen. Viele Frauen taten es ihr nach, wobei sich herausstellte, dass auch die neuen Sättel nicht ganz gefahrlos waren. Das zweite obere Horn war nutzlos und wurde entfernt. Durch den Balanceriemen, dieser verläuft bei den modernen Damensättel von der vorderen linken Sattelseite aus nach hinten oder ist am Bauchgurt angenäht, und durch die sogenannten Steigbügel mit Sicherheitsschloss wurden die Damensättel sicher. 

Mitte des 19. Jahrhunderts erwachte das Volk und kämpfte für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, d. h. die Bürgerlichen kamen zu Wohlstand und konnten sich Freizeitpferde halten. Es entstanden Reitschulen. Man promenierte, ritt bei Hubertusjagden mit, hielt in Reitschulen Reitvorführungen ab = Vorreiter der heutigen Turnierreiterei. Aber ab diesem Zeitpunkt drängten immer mehr Frauen zum Herrensattel, um ihren Kavalieren nicht nachzustehen. Der Reitsport ist heute einer der wenigen Sportarten, in denen Damen und Herren sich gleichberechtigt messen können. In der heutigen Zeit wird in England sehr viel im Damensattel geritten - gefördert durch Königin Elisabeth II.

Welche reitende Frau bzw. welches junge Mädchen träumt nicht irgendwann einmal davon im Damensattel zu reiten? 

Anne Heise, Feine Deern (Han.)
Hat „Frau“ einmal den Entschluss gefasst, tauchen aber auch schon die ersten Fragen und Probleme auf. Wo bekomme ich einen Damensattel her? Welche Voraussetzungen müssen bei Pferd und Reiterin vorliegen? Wer kann mich im Damensattelreiten unterrichten? 

Jeder der sich mal ernsthaft darum bemüht hat einen Damensattel zu erwerben, wird schnell festgestellt haben, dass diese rar und vor allen Dingen sehr teuer sind. Aufgrund der Tatsache, dass es nur sehr wenige Damensattelreiterinnen gibt, lohnt es sich für die gängigen Sattlereien nicht, erschwingliche Damensättel in Serie zu produzieren. Da die Blütezeit der Damensattelreiterei um die Jahrhundertwende bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges war, sind die guten Damensättel aus dieser Zeit inzwischen echte Antiquitäten.
Bevor man eine Investition für einen solchen Damensattel in Höhe von ca. €3.000 bis €4.500,00 tätigt, möchte man doch vielleicht erst einmal wissen, ob Pferd und Reiterin überhaupt für die Damensattelreiterei geeignet sind. Grundsätzlich kann jedes Pferd/Pony, egal welcher Rasse und Geschlecht im Damensattel geritten werden. Da ein Damensattel aber etwas weiter hinten auf dem Pferd liegt (schließlich muss ja die volle Länge des rechten Oberschenkels auf der Sitzfläche Platz finden), sollte es sich nicht um ein extrem kurzes  Pferd/Pony handeln, da ansonsten die Gefahr besteht, dass man auf der empfindlichen Lendenpartie des Pferdes sitzt. Auch sollte das Pferd/Pony eine bereits gut ausgebildete Muskulatur haben und mindestens bis zur Klasse L (angehende Versammlung) ausgebildet sein. Liegt der Ausbildungsstand deutlich darunter, wird es für die Reiterin sehr schwer – wenn  nicht sogar unmöglich werden, das Reiten im Damensattel zu erlernen. Da der rechte Schenkel der Reiterin lediglich durch den Reitstock oder Gerte ersetzt wird - diese wird genauso eingesetzt wie die normale Schenkelhilfe -  sollte das Pferd im „Herrensattel“ gut auf diese Schenkelhilfen reagieren. Auch sollte es sich um ein artiges aber trotzdem gehfreudiges Pferd handeln – schließlich scheidet die beiderseitige energisch vorwärtstreibende Schenkelhilfe per se aus. Außerdem gibt es wohl kein unschöneres Bild als eine Damensattelreiterin, die sich verzweifelt bemüht ihr Pferd vorwärts zu bekommen, was aufgrund des heftig treibenden linken Schenkels häufig nur zu einem schief daher laufenden Pferd führt..Auch die Damensattelreiterin sollte bereits über eine gewisse dressurmäßige Grundausbildung verfügen und mit der klassischen Hilfengebung vertraut sein. Auch wenn der Vergleich vielleicht etwas hinkt – aber ein Fahrlehrer wird sich sehr schwer damit tun seinem Fahrschüler die Bedienung eines Formel-1-Wagens beizubringen, wenn dieser noch nicht Autofahren kann.
Anne Heise, Feine Deern (Han.)

Einen Ausbilder für das Reiten im Damensattel zu finden ist mindestens genauso schwierig wie einen passenden Damensattel. Bei fast allen der vorgenannten Problemen kann die Stiftung Klassische Dressur in Soltau in Zusammenarbeit mit der Reitgemeinschaft Felix Bürkner e.V.  behilflich sein.
Wer dies gerne mit seinem eigenen Pferd/Pony gemeinsam erlernen möchte, aber noch keinen Damensattel besitzt, hat die Möglichkeit für die Unterrichtsstunden einen Damensattel auszuleihen – natürlich vorausgesetzt er passt Pferd und Reiterin.
Für die ganz zaghaften Damen besteht dann noch die Möglichkeit sich zunächst theoretisch mit dem Thema auseinander zu setzen – in Kombination mit einer praktischen Demonstration. 
Zu guter Letzt soll natürlich auch noch die Kleiderfrage angesprochen werden. Ohne Frage gehört zum Reiten im Damensattel auch ein entsprechendes stilechtes Outfit. Dies muss aber keinesfalls von Anfang an vorhanden sein. Zum Erlernen und insbesondere zum Ausprobieren reicht eine ganz normale Reitbekleidung vollkommen aus – zumal man es als Ausbilder mit den Sitzkorrekturen auch etwas leichter hat, wenn nicht die halbe Dame unter einem voluminösen Kleid verschwindet.

(c) Stiftung klassische Dressur, Verfielfältigung auch auszugsweise nur mit Genehmigung der Stiftung klassische Dressur, Text: Clemens Heise, Stiftung klassische Dressur, Für die Bereitstellung der Fotos bedanken wir uns bei Frau Tina Pantel (PSV Hannover e.V.) und Frau Renate Bismayer.

Montag, 2. November 2015

Reitpferdeausbildung mit dem Kappzaum

versch. Kappzäume

Die erste Erwähnung Kappzaum ähnlicher Zäumungen, sind in den Darstellungen der Antike zu finden. Die ursprüngliche Heimat des heute bekannten Kappzaumes dürfte in Spanien liegen. Von hier aus, verbreitete sich das Ausbildungsinstrument, während der Renaissance, in ganz Europa. Noch heute findet der Kappzaum in den Hochburgen der klassischen Reiterei in Wien, Jerez und Queluz seinen täglichen Einsatz. Wer sich aber heute einen Kappzaum zulegen möchte muss sich zunächst durch einen Dschungel von Begrifflichkeiten und unterschiedlichen Modellen den Weg bahnen. 

Wir wollen Licht in die Materie bringen und im Folgenden, auf die gebräuchlichsten Zäume eingehen, wissentlich das noch viele weitere Formen des heutigen Kappzaumes erhältlich sind. Die Beschreibung jedes einzelnen würde aber den Rahmen sicherlich sprengen. 

Wiener Kappzaum: ~ besteht im wesentlichen aus einem zweimal gebrochenen Naseneisen. Der mittlere Teil dieses Naseneisens kann eigens für ein Pferd an dessen Nasenrücken angepasst werden, um eine optimale Passform zu gewährleisten. Auf diesem Stück sitzen auch die drei Ringe, wobei die beiden äußeren starr und der mittlere umlaufend ist. Das Naseneisen ist mit Leder ummantelt und zusätzlich gepolstert. Der Kappzaum wird mit einem Kinn- und einem Ganaschenriemen eng anliegend verschnallt. 

Beim südfranzösischen Cavecon besteht das Nasenteil aus einer Kette, die in einer Art Lederschlauch verläuft. Es sind allerdings auch scharfe Varianten mit blanker Kette als Nasenriemen bekannt. Eine nach dem klassischen Reitmeister Antoine de Pluvinel benannte Variante des Cavecon kommt mit einem rein ledernen Nasenriemen aus, in den die üblichen drei Ringe eingenietet sind. Die Serreta ist der klassische spanische Ausbildungszaum. Das Naseneisen besteht aus einem starren, oft an der Innenseite gezähnten Stahlbügel, der über die Pferdenase geschnallt wird. Dieser schmale (1 cm) Stahlbügel ist manchmal mit dünnem Leder ummantelt. Dadurch wird ihre äußerst scharfe Wirkung jedoch kaum gemildert.

Wir bevorzugen einen leichten Kappzaum der aus Leder gefertigt, mit einem Kinn- und Ganaschenriemen ausgestattet und das Naseneisen ist mit Leder ummantelt ist. An dem Naseneisen befinden sich drei Ringe. Unerheblich ob man eine der vielen Formen des Kappzaumes oder eine  Serreta benutzen möchte, beide sollten nur erfahrene und in der Verwendung geschulte Reiter verwenden! Für Erstbenutzer empfehlen wir dringend eine intensive Schulung in der Verschnallung und Anwendung dieser. Obwohl Kappzäume präzise Ausbildungsmittel sein können, kehrt sich dies bei nicht fachgerechter Anwendung ins Gegenteil und sie werden zu sehr schmerzhaften Folterinstrumenten, die Pferde für lange Zeit verderben, oder gar unbrauchbar, machen können.

Amadeo (Holst.) mit Kappzaum
Große Sorgfalt benötigt das Anlegen des Zaumes. Ein Kappzaum wird ähnlich dem hannoverschen Reithalfter verschnallt. Damit dieser seine volle Wirkung entfalten kann, wird er eng angelegt. Auf den zwei Finger breiten Freiraum, wie bei einem  Trensenzaum wird verzichtet. Dieser Freiraum führt bei der späteren Arbeit zum verrutschen des Naseneisens, was zu vermeiden ist. Ein verrutschtes Naseneisen, kann zu schmerzhafter oder irreparabler Einwirkung führen und das Pferd verliert das Vertrauen in seinen Ausbilder, denn der Kappzaum ermöglicht eine deutliche Einwirkung auf die Nase des Pferdes, und es kann dadurch bereits beim Führen diszipliniert werden. Ein kurzer Ruck am Kappzaum mit anschließendem Nachgeben, hat eine sofortige bremsende Wirkung und erhöht den Respekt gegenüber dem Menschen. Ein abstumpfendes Tau ziehen kann nicht im Sinne einer, auf Vertrauen und Respekt basierenden, Arbeit sein. Deshalb sollte die Einwirkung so weit wie möglich impulsartig erfolgen und ansonsten auf eine weiche Führung geachtet werden. Kappzäume eignen sich zur Ausbildung von Pferden aller Rassen und Altersstufen. Insbesondere bei der Bodenarbeit, beim Führen und beim Longieren junger Pferde, da sie das Maul des Pferdes schonen und so dessen Sensibilität erhalten. Damit bietet der Kappzaum eindeutige Vorteile gegenüber den häufig benutzten Alternativen Halfter oder Trense. Bei der Bodenarbeit und beim Führen hakt man den Führstrick oder die Longe in den seitlichen Ring ein auf der, der Ausbilder geht. Damit kann man ein verrutschen des Kappzaumes bei kurzfristigen Harmoniestörungen vermeiden. Lässt aber das umschnallen der Longe bei einem Handwechsel, gerade bei jungen Pferden, eine temporäre Harmoniestörung erwarten oder neigt das Pferd dazu gelegentlich heftiger zu reagieren, so ist man mit dem mittleren Ring sicherlich besser beraten.
Der Kappzaum kann auch zum Reiten von Pferden hilfreich sein, die bei Einwirkung auf Zunge und Kinnlade mit einem Verkriechen hinter dem Zügel reagieren. Werden die Zügel, in die äußeren Ringe geschnallt, so erreicht man eine vorwiegend richtungsweisende Einwirkung. Der Trensenzügel wirkt nur ganz allmählich unterstützend ein und damit kann das unerwünschte Verkriechen vermieden werden.
Ich hoffe wir konnten Ihnen einige Hinweise und Anregungen für Ihre Trainingseinheiten geben. Ausbildung zum Gebrauch des Kappzaums bieten wir gerne auf Anfrage an. 

Reiten in Anlehnung


Den einen „richtigen Weg“ wird es nicht geben. Dazu sind Reitstile und Pferdetypen zu unterschiedlich. Wenn aber Harmonie und Leichtigkeit das Ziel sind und der Weg zum Ziel führen soll kann man Meilensteine auf dem Weg dorthin setzen. 

Clemens Heise und Andrassy
In der Reitlehre wird Anlehnung als stetige, weiche Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul definiert. 


Clemens Heise und Andrassy
Aber was bedeutet das jetzt für den Reiter? 


Zunächst sollte man sich gedanklich davon trennen, die reiterlichen Ziele „schnell“ erreichen zu wollen. Sicherlich gibt es Maßnahmen und Methoden die einen schnellen Weg oder eine Abkürzung versprechen, aber mittelfristig zu viel größeren und schlimmeren Problemen führen. Es bedarf einer soliden und reellen Ausbildung des Pferdes, um es problemlos, nicht nur heute oder morgen, sondern sein Leben lang in Anlehnung und Leichtigkeit reiten zu können. Diese dressurmäßige Gymnastizierung und Ausbildung erfolgt in jeder Trainingseinheit aufs Neue. 

Und genau an diesem Punkt trifft der Pfeil ins Schwarze. Im Idealfall erfolgt die Anlehnung an die Reiterhand als stetige und leichte Verbindung. Um diese zu erreichen und zu bewahren kann man an dem Zusammenspiel von Schub- und Tragkraftt weiter arbeiten. Für die Entwicklung der Schubkraft reiten wir gerne Tempowechsel im Trab (zulegen- abfangen) oder auch Übergänge von Schritt- Trab- Schritt oder Trab- Galopp- Trab, immer abwechslungsreich und auf beiden Händen. Für die Tempowechsel ist es nicht wichtig, 40m schneller zu traben, sondern achten Sie darauf, dass Ihr Pferd sensibel auf die Schenkelhilfe reagiert und anzieht. Schon wenige Tritte genügen zunächst um es dann wieder in den Arbeitstrab zurückzuführen und für die prompte Ausführung zu loben. Ein weiteres wichtiges Thema für ein gefühlvolles Reiten ist die Abwechslung im TrainingStatt langwierig Lektionen zu pauken, entwickeln wir interessante Übungsabläufe die dem Pferd die gewünschte Übung oder Lektion schmackhaft machen, bspw: 

  • lange Seite zulegen- Mitte der langen Seite abfangen- 
  • in leichter Versammlung aus der Ecke kehrt- 
  • am Hufschlag wieder zulegen- erneut abfangen- 
  • in leichter Versammlung eine Volte reiten- 
  • danach erneut kurz zulegen um das Pferd danach in den Arbeitstrab zurückzuführen.
Dieser Ablauf fordert viele Elemente auf dem Weg zur Leichtigkeit ab und gibt mir gute Informationen an welchen Elementen noch gearbeitet werden muss. Wir achten stets darauf, dass es bei einer leichten und steten Zügelverbindung bleibt. Sollte das einmal nicht (mehr) der Fall sein und das Pferd liegt auf der Hand, kehren wir zu dem vorangegangen Ausbildungsabschnitt zurück und beginnen neu. Lassen Sie sich nicht auf ein ziehen am Zügel oder ein ausruhen auf der Hand ein. Kehren Sie zum vorangegangenen zurück, setzen erneut an- oder gönnen Sie sich und dem Pferd eine kleine Pause zur Erholung. Um gefühlvoll in leichter Anlehnung zu reiten, muss man nicht zwangsläufig auf eine andere Reitweise umsatteln. Sehr oft genügt ein Umdenken des Reiters und Umstellen des Reittrainings. Seien Sie selbst innovativer beim Reiten. Entwickeln Sie Übungsabläufe in denen die Elemente der Schub- und Tragkraft gefordert werden, mixen Sie die bekannten Bahnfiguren oder entwickeln daraus eigene. Leichtes Reiten erfordert auch Konzentration, vorausschauendes Denken und ein abwechslungsreiches Reitprogramm. 

Der Begriff Leichtigkeit ist nicht definiert und wird in der Literatur gerne mit Weglassen von Zwangsmitteln, Respekt gegenüber dem Pferd oder nichts in der Hand, frei übersetzt. Eigenschaften die uns aus der klassischen Reiterei wohl bekannt sind. Objektiv betrachtet gibt es verschiedene Formen der Anlehnung. In den lösenden Phasen der Entspannung reitet man üblicherweise am verlängerten Zügel mit leichter Genickkontrolle und vorwärts abwärts. In den Dressurarbeitsphasen oder beim Anreiten von Hindernissen im Parcours oder Gelände reitet man mit freierer Anlehnung in (relativer) Aufrichtung. Die Art und Form der Anlehnung entwickelt sich also aus dem was man reiten möchte. 
Jedoch soll Leichtigkeit in allen drei Disziplinen gewahrt werden. Der Weg dahin führt über sinnvolle Gymnastizierung des Pferdes. Die Entwicklung der Schubkraft und Entwicklung der Tragkraft spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Schubkraft befähigt das Pferd zu einer aktiven Hinterhand und einem energischem Schwingen der Hinterbeine unter den Schwerpunkt des Pferdes. Die Elemente der Schubkraft entwickeln sich aus Losgelassenheit,  Anlehnung, Schwung und Geraderichtung.  Die Tragkraft befähigt das Pferd, den Rücken vermehrt aufzuwölben und sich selbst zu tragen und wird durch die Elemente Schwung, Geraderichtung und Versammlung gefördert. Bei dem optimalen Zusammenspiel zwischen Schub- und Tragkraft wird unser Ziel „Leichtigkeit“ quasi Fundstück am Rande des Weges. Leichtigkeit ist keine Frage der Ausbildung von Pferd und Reiter oder nur etwas für fortgeschrittene Dressurcracks. Die leichte, nahezu unsichtbare Kommunikation (Hilfengebung) zwischen Reiter und Pferd kann in jedem Stadium der Ausbildung erreicht werden. 

Das ist die zentrale Frage um die sich alles dreht, die dennoch kaum allgemein gültig beantwortet werden kann. Denn wie eingangs bereits erwähnt, sind die Anforderungen zu unterschiedlich. Gefühl Gefühlvolles, leichtes Reiten ist keine Sache die, über Nacht oder etwa durch Wechseln der Reitweise geschieht, sondern ein intensiver Ausbildungsprozess von Pferd und Reiter, der vielmehr einen einfühlsamen Reiter und denkenden Ausbilder benötigt, als ein ausgeklügeltes Marketingkonzept. Auch die oft gestellte Anforderung ich will nicht immer 5Kg in der Hand haben trügt, denn sie erweckt den Anschein, das die der Weg zur Leichtigkeit über die Hand des Reiters führt. Diese ist aber im Zusammenspiel der Hilfen die passivste da sie vermehrt verhaltend wirkt im Gegensatz zu den vortreibenden Gewichts- oder Schenkelhilfen

Wichtige Meilensteine sind, zum einen 


  • das theoretische Verständnis des Zusammenspiels von Sitz und Einwirkung
  • und zum anderen auch die praktische Fertigkeit, ein Pferd mit aktiver Hinterhand an die Hand des Reiters heran zutreiben. 
  • Der Kopf des Pferdes befindet sich an oder kurz vor einer gedachten senkrechten Linie, verkriecht sich nicht hinter dem Zügel oder geht gegen die Reiterhand – 
  • das Pferd ist leicht im Maul, 
  • locker im Genick und folgt willig der gewünschten Stellung - 
  • das Pferd geht in Anlehnung. 
Probleme hier resultieren oftmals aus einem, nicht ausreichend mitschwingendem, Rücken. Denn wenn sich das Pferd im Rücken festhält, kann es sich eben nicht vertrauensvoll an die Reiterhand heran dehnen und versucht sich zu entziehen. Für den Reiter bedeutet es, das diese(r)zunächst an der Losgelassenheit arbeiten sollte, um im zweiten Schritt eine Verbesserung der Anlehnung zu erzielen. Devise: Fordern- ohne zu überfordern. 



Ich hoffe wir konnten Ihnen einige Hinweise und Anregungen für Ihre Trainingseinheiten geben und freuen uns auf Ihr Feedback.

(c)Verfielfältigung auch auszugsweise nur mit Genehmigung des Autors